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Das sportmedizinische Feuilleton


Hier erfahren Sie Nützliches und ebenso Überflüssiges aus der Sportmedizin, von den anderen Bewegungswissenschaften und aus dem Umfeld des Sportes. Die Äußerungen spiegeln die Meinung des jeweiligen Autors wider. Gastkommentare sind erwünscht, können per e-mail oder das Kontaktformular übermittelt werden und gelangen garantiert unredigiert auf diese Seite, soweit sie den guten sportmedizinischen Ton nicht verletzen.


Die Laktatschwelle - ein Artefakt?
Von E. Schlömmer
Kein anderer Begriff in Bewegungswissenschaften und Leistungsmedizin wird so häufig mißverständlich übersetzt und fehlinterpretiert wie die sogenannte "Laktatschwelle".
Sei es nun die "aerobe" oder "anaerobe", "individuelle" oder sonst welche, quer durch die einschlägige Literatur zieht sich eine Spur der eminenten Bedeutung, die man dieser biologischen Meßgröße im Glauben, den leistungsphysiologischen "Stein der Weisen" gefunden zu haben, zuschreibt.
Seit der Einführung des Schwellenbegriffs durch die Kölner Arbeitsgruppe um Hollmann 1959, die jene ergospirometrisch gemessene Intensität bei stufenförmig ansteigender radergometrischer Belastung als "aerob - anaeroben" Übergang im Sinne eines Kriteriums der ausschließlich aeroben Leistung bezeichnete, bei dem aufgrund vermehrter Freisetzung von sauren Valenzen die Kohlensäureproduktion überproportional ansteigt und der dadurch verursachte verstärkte Atemantrieb die akzentuierte Kohlendioxid - Abatmung zu einer Konstanthaltung des Säure - Basenhaushaltes im Blut bewirkt, sind Generationen von "Schwellen" (vorwiegend metabolischen Charakters, meist als "Laktatschwellen" bezeichnet) beschrieben worden.
Ich muß zugeben, dass auch ich in meiner sportmedizinischen Frühgeschichte mit diesem mir als geklärt erscheinenden Begriff durchaus konkrete Vorstellungen zu verbinden in der Lage war und mich somit als Besitzer eines wohlgeordneten leistungsmedizinischen Begriffsinventars wähnte.
Bis bei einem internistisch - physiologischen Sportmedizin - Diplomausbildung - Grundkurs Paul Haber, Professor an der 4. Interne Universitätsklinik Wien für Pulmologie, seine Welt der Leistungsphysiologie und der daraus hergeleiteten medizinischen Trainingslehre darlegte und meine bis dahin heile Welt sportmedizinischen Grundwissens fundamental erschüttert wurde.
Daß eine Trainingssteuerung im Leistungssport ohne Laktatmessung überhaupt funktionieren könnte, kam mir so fremd vor wie ein Känguruh am Nordpol. Da meine Neugierde geweckt war, bestellte ich mir die damals nur in Skriptumform vorliegenden Wissensinhalte "Internistische Sportmedizin I + II", sowie "Leistungsphysiologie".
Dies sollte die gewinnbringendste Entscheidung meiner sportärztlichen Tätigkeit werden, zumindest den Erkenntnisgewinn betreffend. Denn von nun an waren für mich die Begriffe "maximale Sauerstoffaufnahme" inklusive der entsprechenden empfohlenen Prozentsätze für die Vorgabe von Trainingsintensitäten oder - in der Praxis des Trainings genauso brauchbar - die sportartspezifisch bestimmte maximale Herzfrequenz und der Prozentsatz der in Anspruch genommenen Herzfrequenzreserve von erstrangiger Bedeutung für die Trainingssteuerung und sind es bis heute geblieben.
Die Bestimmung von Laktatwerten diente fortan nur mehr der Trainingsmittelüberprüfung, was nicht heißt, dass dies eine geringe Bedeutung in einem komplexen Trainingsprozeß hätte.
Zur Trainingssteuerung, und das sei hiermit noch einmal hervorgehoben, sind "Laktatschwellen" zumindest entbehrlich. Lassen Sie sich also von niemandem vormachen, dass ein beliebiges "an der Schwelle trainieren" irgendeine sportpraktische Bedeutung in der langfristigen Entwicklung Ihrer Ausdauerleistungsfähigkeit hätte.

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Letze Aktualisierung der Seite: 28.12.2007